Übersetzung der Mitschrift des Abgeordneten George Galloway vor dem „Öl-für-Lebensmittel“-Ausschuss.
Senator, ich bin weder jetzt noch jemals ein Ölhändler gewesen, noch irgendjemand in meinem Namen. Ich habe nie ein Fass Öl gesehen oder eines besessen oder eines gekauft oder eines verkauft – noch hat dies irgend jemand in meinem Namen getan.
Nun, mir ist klar, dass das Niveau in Washington in den letzten paar Jahren etwas abgesunken ist, aber für einen Juristen haben Sie ein bemerkenswert unbefangenes Verhältnis zum Verständnis von Gerechtigkeit. Ich stehe heute hier, aber letze Woche befanden Sie mich bereits für schuldig. Sie verleumdeten meinen Namen in der ganzen Welt, ohne mir eine einzige Frage gestellt zu haben, ohne auch nur Verbindung mir mir zu aufzunehmen, selbst ohne mir geschrieben oder mich angerufen zu haben, ohne jeden Versuch, mit mir irgendwie in Kontakt zu treten. Und das nennen Sie Gerechtigkeit.
Jetzt will ich mich mit den Seiten befassen, die sich auf mich beziehen in diesem Dossier, und ich will die Stellen aufzeigen, in denen sich – seien wir gnädig und nennen es Irrtümer – befinden. Danach will ich es in den Zusammenhang setzen, in den es – wie ich glaube – gehört. Auf der ersten Seite Ihres Dokumentes über mich führen Sie an, dass ich „viele Zusammentreffen“ mit Saddam Hussein hatte. Das ist falsch.
Ich hatte zwei Treffen mit Saddam Hussein, einmal 1994 und einmal im August 2002. Die englische Sprache ist wirklich nicht dehnbar genug, um das als „viele Zusammentreffen“ zu beschreiben.
Tatsache ist: ich habe Saddam Hussein genau so oft getroffen wie Donald Rumsfeld. Der Unterschied besteht darin, dass Donald Rumsfeld ihn traf, um ihm Waffen zu verkaufen, und um ihm Pläne zu geben, um mit diesen Waffen besser zu zielen. Ich traf ihn, um zu versuchen, ein Ende von Sanktionen, Leiden und Krieg zu erreichen, und bei der zweiten der beiden Gelegenheiten traf ich ihn, um ihn zu überzeugen zu versuchen, Dr. Hans Blix und die UN-Waffeninspektoren ins Land zu lassen – ein wesentlich bessereres Ziel zweier Treffen mit Saddam Hussein als bei Ihrem eigenen Verteidigungsminister und seinen Treffen.
Ich war ein Gegner von Saddam Hussein, als britische und amerikanische Regierungen und Geschäftsleute ihm Waffen und Gas verkauften. Ich demonstrierte vor der irakischen Botschaft, als britische und amerikanische Beamte dort hinein gingen und Handel trieben.
Sie entnehmen aus der Parlamentsakte [Hansard (?)] ab dem 15. März 1990 reichlich Fakten, die ich meine Gegnerschaft gegen Saddam Hussein besser belegen als die Ihre und irgend eines anderen Mitgliedes der britischen oder amerikanischen Regierung.
Nun sagen Sie in diesem Dokument, dass Sie eine Quelle zitieren, und Sie haben den Nerv, diese Quelle zu zitieren, ohne mich jemals gefragt zu haben, ob die Behauptung der Quelle wahr ist, ich sei der „Eigentümer einer Gesellschaft, die beträchtlichen Gewinn aus dem Handel mit irakischem Öl zieht“.
Senator, ich besitze überhaupt keine Gesellschaften, abgesehen von einer kleinen Gesellschaft, deren ganzer Zweck, deren einziger Zweck, darin besteht, das Einkommen meiner journalistischen Arbeit in Empfang zu nehmen, und zwar von meinem Arbeitgeber, Associated Newspaper in London. Ich besitze keine Gesellschaft, die mit irakischem Öl handelt. Und es steht Ihnen nicht zu, sich auf eine vollständig gegenstandslose und falsche Quelle zu beziehen.
Jetzt haben Sie nichts gegen mich in der Hand, Senator, außer meinem Namen auf einer Namenslisten aus dem Irak, von denen viele nach der Einrichtung Ihrer Marionettenregierung in Bagdad erstellt wurden. Wenn Sie irgend etwas handfestes gegen mich vorzubringen hätten, wie bei Schirinowski oder gar Pasqua, so wäre dies in den Präsentationen für Ihre Komitee-Mitglieder heute vorgekommen.
Sie haben meinen Namen auf Listen, an die Sie durch die Befragung von Duelfer gekommen sind, er wiederum erhielt sie vom bestraften Bankräuber und Betrüger und Hochstapler Ahmed Chalabi, von dem viele gutgläubige Menschen in Ihrem Land jetzt feststellen, dass er eine entscheidende Rolle spielte, als Sie Ihr Land in dies Unglück im Irak führten.
Ursprünglich waren auf der Liste 270 Namen. Diese wurde irgendwie zusammengestrichen auf die Namen, mit denen Sie sich in diesem Komitee beschäftigen. Einige der Namen in diesem Komitee umfassten den ehemaligen Sekretär seiner Heiligkeit, Papst Johannes Paul II, den ehemaligen Vorsitzenden des Präsidiums des Afrikanischen Nationalkongresses und viele andere, die sich durch ein gemeinsames Charakteristikum definierten: sie alle standen gegen die Politik der Sanktionen und des Krieges, die Sie lautstark verfolgten, und die uns in dies Unglück führte.
Sie zitieren Herrn Dahar Yassein Ramadan. Das haben Sie gegen mich in der Hand. Ich habe Herrn Dahar Yassein Ramadan niemals getroffen. Ihr Unterkomitee offensichtlich schon. Aber ich weiß, dass er Ihr Gefangener ist, ich glaube, er ist im Gefängnis Abu Ghraib. Ich glaube, er verantwortet sich wegen Kriegsverbrechen, die mit dem Tode bestraft werden. Unter diesen Umständen, und im Bewusstsein dessen, wie Sie die Gefangenen in Abu Ghraib behandeln, im Luftwaffenstützpunkt Bagram, in Guantanamo Bay, und ich darf sagen: einschließlich britischer Bürger, die an diesen Orten gefangen gehalten werden.
Ich bin nicht sicher, wie viel Glauben jemand einer Aussage schenken würde, die Sie von einem Gefangenen unter solchen Umständen erhalten würden. Aber Sie zitieren dreizehn Worte von Dahar Yassein Ramadan, den ich niemals getroffen habe. Falls er das gesagt hat, was er sagte, lag er falsch.
Und falls Sie irgendwelche Anzeichen hätten, dass ich jemals in irgendwelche Ölgeschäften einbezogen wäre, falls Sie irgendwelche Anzeichen hätten, dass irgendjemand mir irgendwann Geld gegeben hätte, so wäre es vor der Öffentlichkeit und vor diesem Komitee, weil ich mich mit Herrn Greenblatt geeinigt hätte [Mark Greenblatt, „legal counsel of the committee“].
Ihr Herr Greenblatt hatte absolut recht. Was zählt, sind nicht die Namen auf dem Papier, was zählt, ist das Geld. Senator? Wer zahlte mir Hunderttausende von Dollars? Die Antwort lautet: niemand. Und falls Sie irgend jemanden hätten, der mir jemals einen Penny gezahlt hat, so hätten sie ihn heute vorgeführt.
Wo ich schon mal bei dem Thema bin, wer ist dieser ehemalige Regierungsbeamte, mit dem Sie gestern gesprochen haben? Glauben Sie nicht, wir hätten ein Recht, das zu erfahren? Glauben Sie nicht, das Komitee und die Öffentlichkeit haben ein Recht, zu erfahren, wer dieser ehemalige Regierungsbeamte ist, den Sie gestern befragten, um ihn gegen mich zu zitieren?
Der gröbste Fehler, den Sie in diesem Dokument gemacht haben, ist ehrlich gesagt dieser Schnitzer, Ihre eigenen Anstrengungen lächerlich zu machen. Sie führen auf Seite 19 an – nicht ein-, sondern zweimal – dass die Dokumente, auf die Sie sich beziehen, einen anderen Zeitabschnitt abdecken als die Dokumente, die vom „Daily Telegraph“ abgedeckt werden, und die Gegenstand einer Beleidigungsklage waren, die ich gewonnen habe, und zwar vor dem „High Court“ in England letztes Jahr.
Sie geben an, dass der Artikel des „Daily Telegraph“ Dokumente von 1992 und 1993 zitierte, während Sie sich mit Dokumenten von 2001 befassen. Senator, die Dokumente des „Daily Telegraph“ datieren gleich wie die Dokumente, mit denen Sie sich in Ihrem Bericht hier befassen. Keines der Dokumente des „Daily Telegraph“ befasste sich mit der Periode von 1992 und 1993. Ich hatte nie einen Fuß in den Irak gesetzt bis spät im Jahr 1993 – nie im Leben. Es konnten 1992 und 1993 keine Dokumente in Bezug auf „Öl für Lebensmittel“ existieren, weil das „Öl für Lebensmittel“-Prinzip damals noch nicht existierte.
Sie haben einen vollen Abschnitt dieses Dokuments der Aussage gewidmet, dass Ihre Dokumente von einem anderen Zeitraum handeln als der „Daily Telegraph“, obwohl das Gegenteil wahr ist. Ihre Dokumente und die des „Daily Telegraph“ handeln von exakt dem gleichen Zeitraum.
Aber möglicherweise haben Sie den „Daily Telegraph“ mit dem „Christian Science Monitor“ durcheinandergebracht. Der „Christian Science Monitor“ veröffentlichte auf der Titelseite in der Tat eine Reihe von Beschuldigungen gegen mich, ziemlich ähnlich denen, die Ihr Komitee vorgetragen hat. Sie beziehen sich tatsächlich auf Dokumente von 1992 und 1993. Diese Dokumente wurden vom „Christian Science Monitor“ selbst als Fälschung entlarvt.
Die neokonservativen Websites und Zeitungen, in denen Sie solch ein Held sind, Senator, waren alle außer sich vor Freude über die Veröffentlichung des „Christian Science Monitor“, sie waren alle überzeugt von deren Echtheit. Sie waren alle überzeugt, dass diese Dokumente mich zeigten, wie ich 10 Mill. Dollar vom Saddam-Regime erhalte. Und es waren alles Lügen.
In der gleichen Woche, als der „Daily Telegraph“ seine Dokumente gegen mich veröffentlichte, veröffentlichte der „Christian Science Monitor“ die seinen, die sich als Fälschungen herausstellten, und das britische Nachrichtenblatt „Mail on Sunday“ präsentierte einen dritten Satz von Dokumenten, der sich nach kriminalistischer Untersuchung ebenfalls als Fälschung erwies. Also ist nichts besonderes daran. Überhaupt nichts besonderes.
Die Existenz gefälschter Dokumente, die mich in kommerzielle Verbindung mit der irakischen Regierung stellen, ist eine bewiesene Tatsache. Es ist bewiesene Tatsache, dass diese gefälschten Dokumente existierten und in Umlauf gebracht wurden durch politisch rechte Zeitungen in Bagdad und in der ganzen Welt in der Folge des Sturzes des Irak-Regimes.
Senator, ich gab mein Herzblut, um gegen die Politik zu opponieren, die Sie vorangetrieben haben. Ich gab mein politisches Herzblut, um den Massenmord an Irakern infolge der Sanktionen gegen den Irak zu stoppen, die eine Million Irakern umbrachte, die meisten davon Kinder, die meisten starben bevor sie auch nur wussten, dass sie Iraker waren, mit dem Unglück, zufällig in dieser Zeit geboren zu sein. Ich gab mein Herzblut, um Sie davon abzuhalten, diese Katastrophe zu verursachen, indem Sie im Irak einmarschiert sind. Und ich sagte der Welt, dass Ihre Fakten ein Haufen Lügen waren.
Ich sagte der Welt, dass der Irak im Gegensatz zu Ihren Behauptungen keine Massenvernichtungswaffen besaß. Ich sagte der Welt, im Gegensatz zu Ihren Behauptungen, dass der Irak keine Verbindung zum Anschlag vom 11. September 2001 hatte. Ich sagte der Welt, im Gegensatz zu Ihren Behauptungen, dass das Irakische Volk einer britischen und amerikanischen Invasion in ihr Land Widerstand entgegensetzen würden, und dass der Fall von Bagdad nicht der Anfang des Ende, sondern eher das Ende des Anfangs ist.
Senator, in allem, was ich über den Irak sagte, erwies sich, dass ich Recht hatte, und es erwies sich, dass Sie Unrecht hatten, und 100.000 Menschen bezahlten mit ihrem Leben; 1.600 von ihnen amerikanische Soldaten, die aufgrund eines Haufens Lügen in den Tod geschickt wurden; 15.000 von ihnen verwundet, viele von ihnen für immer invalide aufgrund eines Haufens Lügen.
Wenn die Welt auf Kofi Annan gehört hätte, dessen Entlassung Sie gefordert hatten, wenn die Welt auf Präsident Chirac gehört hätte, den Sie als einen korrupten Betrüger darstellen wollen, wenn die Welt auf mich und die Antikriegsbewegung in Großbritannien gehört hätte, wären wir nicht in der Katastrophe, die wir jetzt vor uns haben. Senator, dies ist die Mutter aller Nebelbomben. Sie versuchen, die Aufmerksamkeit abzulenken von den Verbrechen, die Sie unterstützt haben, vom Diebstal von Milliarden von Dollars von der Gesundheit des Irak.
Werfen Sie einen Blick auf den wirklichen Öl-für-Lebensmittel-Skandal. Werfen Sie einen Blick auf die 14 Monate, die Sie für Bagdad verantwortlich waren, die ersten 14 Monate, als 8,8 Mrd. Dollar für die Gesundheit des Irak unter Ihren Augen verloren gingen. Werfen Sie einen Blick auf Haliburton und andere amerikanische Gesellschaften, die nicht nur das Geld des Irak stahlen, sondern auch das Geld des amerikanischen Steuerzahlers.
Werfen Sie einen Blick auf das Öl, das Sie nicht einmal mengenmäßig beschränkten, das Sie außerhalb des Landes brachten und verkauften; wer weiß, wer die Einkünfte erhielt? Werfen Sie einen Blick auf die 800 Mill. Dollar, die Sie amerikanischen Militär-Kommandanten gaben, um es im Land zu einzusetzen, ohne es zu zählen oder auch nur zu wiegen.
Werfen Sie einen Blick auf den wirklichen Skandal in den aktuellen Zeitungen, der aufgedeckt wurde durch die früheren Aussagen in diesem Komitee. Dass die größten Sanktionsbrecher nicht ich oder russische Politiker oder französische Politiker waren. Die wirklichen Sanktionsbrecher waren Ihre eigenen Gesellschaften mit Duldung Ihrer Regierung.
Ich habe den Vortrag nach bestem Wissen und voller Freude übersetzt, aber ich garantiere nicht für lückenlose Fehlerfreiheit. Ich bin aber sicher, dass in summa der Sinn nicht entstellt wurde.
(Ursprung – 20.11.2006)