Genie

Der von mir wegen seiner intellektuellen Arroganz hochgeschätzte Parnassos lässt sich aus über das Wesen des Genies.

Der Text ist nicht konkret falsch. Aber er verwendet den falschen Begriff Genie. Denn er meint den Universalgelehrten, dessen Denkmethodik er bei Fächerübergriff umreißt. Ersetze „Genie“ durch „Universalgelehrter“, und alles stimmt.

Das Genie nämlich ergibt sich nicht aus der Hochleistung des Einzelnen. Sondern aus dem Zusammentreffen eines spezifischen Bedarfs mit einer spezifischen Fähigkeit.

Beispiele: 

Einstein entwickelte die spezielle Relativitätstheorie in der Epoche, in der Michelson und Morley die Konstanz der Lichtgeschwindigkeit gemessen (und nicht etwa postuliert!) hatten. Hundert Jahre vorher hätte Einsteins enormes Talent wie ein Faden haltlos im Wind gependelt.

Leonardos geniale Entwürfe korrespondierten mit dem Bedarf der Renaissance nach Loslösung von katholischer Dogmatik zur Erklärung der Welt. Hundert Jahre vorher wäre er belächelt worden.

Und so weiter. Das Genie definiert sich aus einem glücklichen – aber prinzipiell zufälligen – Zusammentreffen von gesellschaftlichem Bedarf und konkreter Begabung. Das Genie ist nichts ohne eine komplementäre Umgebung, ebenso wie der König nichts ist ohne ein Volk.

(Kommentarfunktion aus.)

(Ursprung – Donnerstag, den 03. April 2014, 00:00:00 Uhr)

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