Nachruf Frank Schirrmacher

Frank Schirrmacher ist gestorben. Als Mit-Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung war er wirksamer Akteur im Zeitgeschehen und verdient darum einen Nachruf.

Die FAZ habe ich gelegentlich online gelesen, jedoch nie Geld für das Papier ausgegeben – mir wäre wegen der politischen Grundhaltung regelmäßig der Hut hochgegangen. Bis zum Feuilleton – wo Schirrmacher aktiv war, und wofür er gelobt wird – bin ich also nie vorgedrungen.

Der Nachruf auf einen Verstorbenen ist ein letzter Gruß. Also eine Respektbezeugung. Auch im gegnerischen Lager. De mortuis nihil nisi bene (Über Verstorbene rede nur Gutes!) – hier wird lobenswertes genannt und schimpfenswertes verschwiegen (das ging zu Lebzeiten, jetzt ist die Gelegenheit vorüber). Das tut mein Lieblingsverschwörungstheoretiker fefe mit dem Hinweis, er habe ihn als flexiblen Denker erlebt (kauf ich ihm sofort ab), oder meine persönliche Leuchte intellektueller Arroganz Parnassos mit der Spezifikation, dass seine Schlusssätze der polemische „Blubb“ im feuilletonistischen Textbrei waren. Die er zum Beleg zitiert.

Aber, um es mit James Thurber zu sagen, man ebensogut hinten- wie vornüber kippen. Ebenfalls unangemessen ist es, dem Verstorbenen frech in die Tasche zu lügen, z. B. ihn als größten Denker dieser Republik zu bezeichnen. War er nicht. Umschiffe die Klippe, sonst wird es satirisch. Satire darf zwar alles, aber nicht alles darf Satire, um es mal flapsig auf den Punkt zu bringen.

Also. Frank Schirrmacher ist gestorben. Meine Reverenz mit Hinweis, dass er – als einer der Wenigen unter den Propagandisten – das Scheitern des Neoliberalismus öffentlich eingestanden hat. Er ruhe in Frieden.

(Ursprung – Freitag, den 13. Juni 2014, 00:00:00 Uhr)

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