Gewerkschaft der Strafgefangenen

Vorab – ich bin weder mit dem Gesetz in Konflikt geraten, noch habe ich je eine Strafanzeige gestellt; weiter bin ich kein Jurist, sondern interessierter Laie. Habe keine Eisen im Feuer.

Wie bekannt gehört zum Strafvollzug die Arbeitstätigkeit der Strafgefangenen, nach meinem bescheidenen Verständnis auf freiwilliger Basis: wer nicht will, kann nicht gezwungen werden. Die äußeren Arbeitsbedingungen (Arbeitszeiten, Urlaubsanspruch) sind den zivilen Bedingungen angeglichen; die finanziellen nicht.

Wie LTO berichtet, gründet sich derzeit eine Gewerkschaft der Strafgefangenen. Klingt für Otto Normalo zunächst mal seltsam: der Knasti als „moralische Singularität“ hat nichts zu wollen: Tür zu, Schlüssel weg.

Wirklich nicht? Betrachten wir das Grundprinzip der Strafe. In einigen Rechtssystemen mag es auf Vorbeugung von Tatwiederholung durch Töten basieren, in Deutschland auf Vorbeugung durch Resozialisierung. Mag es funktionieren oder nicht. Mag es Ihnen gefallen oder nicht.

Das Instrument der Strafe ist (neben Geldstrafe) Entzug der Freiheit: eingeschlossen mit anderen Deppen über Monate und Jahre. Alles darüber hinaus darf man verfassungswidrig nennen.

Also ein Gefangener nimmt im Knast eine Arbeit an, sagen wir, Büroklammern biegen (keine Ahnung, wie es wirklich aussieht). Tageslohn elf Ocken (nach Abzug der Unterbringung, reell oder nicht). Sozialabgaben: Null. Rentenansprüche? Fehlanzeige. Und das ist meiner Meinung nach der Aspekt, an dem das Strafinstrument ins Verfassungswidrige ragt. Denn die soziale Absicherung im Alter ist (noch mehr als bei Ihnen und mir) vernichtet.

Wie bitte? Interessiert Sie nicht? Über Bande doch! Denn der Arbeitgeber Gefängniswerkstatt kann über märchenhafte Produktionsbedingungen traumhaft billige Marktpreise realisieren. Heißt in der freien Wirtschaft Lohndumping. (Wie bitte? Interessiert Sie nicht?)

(Via lawblog)

(Kommentarfunktion aus.)

(Ursprung – Freitag, den 20. November 2015, 22:10:18 Uhr)

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