Verschwörungstheorie

Ständig auf der Suche nach der Wahrheit ...

... wir nehmen die Welt wahr mit den uns verfügbaren Organen: am Frühstückstisch mit der Nase; im Ehebett mit der Brustwarze; am Weltgeschehen mit der Zeitung. So weit so Binse.

Im Großen und Ganzen glauben wir, was da steht, z. B. Moped-Unfall letzte Nacht zwischen Osnabrück und Bramsche. Oder wir rechnen aus der Meldung eingearbeitete Tendenzen heraus, z. B. Ernsthaftigkeit der Politik beim Trockenlegen von Steueroasen. Oder wir glauben es gar nicht, z. B. wenn es von Axel Springer kommt.

Und dann gibt es die tolldreisten Dinger. Die Ermordung von J. F. Kennedy, als deren Täter die offizielle Lesart (o. L.) eine einzelne Person benennt, obwohl der Mord nach Dulles-Biograf Talbot vermutlich vom CIA organisiert ist. Dulles saß in der Untersuchungskommission. Manche Ereignisse verlassen das menschliche (und technische) Vorstellungsvermögen. Zweifel an den teilweise kackfrechen Lügen erhalten den Aufkleber Verschwörungstheorie, um sachliche Diskussion abzuwenden.

Oder Nine Eleven. Bei einem wohlfeilen Terroranschlag sinkt Building Seven – nahezu elegant – senkrecht nach unten. Als Ursache benennt o. L. den Flugzeug-Einschlag mit darauf folgenden Bürobränden, die den Stahlbeton erweicht haben sollen.

Dazu sagen ausgewiesene Fachleute aus: ein Bürobrand bringt nicht die Hitze zur Stahlschmelze. Dazu sind heißere Brandquellen nötig, z. B. Thermit.

Mich interessiert hier nicht so sehr eine bestimmte Wahrheit – meine Meinung behalte ich für mich –, sondern der zugrundeliegende Mechanismus. Ausgewiesene Fachleute sagen, das kann nicht stimmen, aber o. L. bleibt unberührt. Wie wird der Schwindel – technisch – ausgeführt? Im Land der ausgewiesenen Meinungsfreiheit?

Die amerikanische Medienöffentlichkeit ist, wie bei uns, in privater Hand, jedoch ohne Konkurrenz durch die öffentlich-rechlichen. Die Zeitungen leben nicht vom Verkaufspreis am Kiosk, sondern von der geschalteten Werbung. Die amerikanische Regierung ist fest in der Hand der Millionäre.

Wenn also ein Reporter ein – nach o. L. unpassendes – Rauchwölkchen feststellt und einen schlüssigen Artikel zusammenzimmert, kriegt er vom Chefredakteur eins auf die Rübe. Denn der kompromittierte Politiker, möge er noch so ein Kretin sein, kann einige Werbeaufträge schwinden lassen. Anruf genügt. Der ehmals mutige Journalist mutiert zum schwanzwedelnden Hündchen. (Nicht jeder ist ein Alpha-Tier wie Greenwald und Hersh. )

Zum Mitschreiben. Die Pressefreiheit ist ein großartiges Gut. Sie ermöglicht dir, ohne Angst vor Repression die Meinung deines Meisters zu äußern.

(Kommentarfunktion aus.)

(Ursprung – Mittwoch, den 03. Februar 2016, 13:24:58 Uhr)

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