Nikolay Starikov: „Wer hat Hitler gezwungen, Stalin zu überfallen?“

Die Wege des Herrn wollten, dass ich einem Inserat folgend über Versand Starikovs Buch bestellte. Der Autor ist – als Russe – des deutschen Revisionismus unverdächtig. Allein der Gedanke – Hitler gezwungen zum Krieg – erschien mir so abwegig, dass ich mir sagte: also das will ich genauer wissen.

Starikov untersucht diverse Ungereimtheiten der Vorgänge von 1914/18 bis 1987 (dem Tod von Rudolf Hess in Obhut des Britischen Secret Service). Ich habs gelesen – Sie können das auch (als PDF, aus dem Russischen übertragen von Dr. Schacht).

Ich umreiße grob den Ablauf der Geschichte nach Starikov – um das vorweg zu nehmen: ich notiere ohne eigene Stellungnahme Starikovs Folgerungen.

Europa

Der Erste Weltkrieg geht zu Ende. Infolge von Hochverrat wird Deutschland zu einem Friede überredet, dessen Bedingungen es erst nach Entwaffnung erfährt: der Raubfriede von Versailles.

Polen

Ab 1918 wird das polnische Militär von ungeahnt großzügiger – anglo-amerikanischer – Quelle gesponsert. Deren Ausrüstung und Verpflegung ist erstklassig und bildet Grundlage für sechs Kriege mit Nachbarländern. Polen wird zubereitet für seinen späteren Opfergang.

Russland

Von der Schweiz aus reist der russische Kleinadlige Wladimir Iljitsch Uljanow – genannt Lenin – quer durch Europa nach Russland, den Streckenabschnitt durch Deutschland im verplombten Waggon. Seine mitgeführten Geldmittel reichen aus für seinen Putsch, den er der Öffentlichkeit als Revolution verkauft.

Seine Geldmittel stammen von Angelsachsen. Lenin fährt hin mit dem Auftrag, das Russische Reich übergabereif zu machen. – Nach erfolgreichem Putsch lacht Lenin ihnen ins Gesicht. Stattdessen setzt er seine Pläne für Aufbau und Neustrukturierung Russlands um.

Den Kredit für seinen Putsch bedient Lenin penibel und genau – klandestin über offensichtlich sinnwidrige Geschäfte. Geldwäsche. Die Schulden aus der Zarenzeit bleiben liegen.

Die Briten brechen die Diplomatischen Beziehungen zu Russland ab. Lenin erleidet Herzinfarkt am 21. Januar 1924. Neun Tage später, am 1. Februar 1924, erkennt Großbritannien die UdSSR diplomatisch an.

Nach Lenins Tod streiten Leo Trotzki und Josef Stalin über die weitere Politik: Trotzki wünscht die Revolution in die Welt zu tragen – zunächst nach Deutschland und Österreich –, während Stalin wünscht, den Sozialismus erst mal in Russland aufzubauen.

Der Ausgang des Machtkampfs ist bekannt – weniger bekannt ist, dass Trotzki auch im Exil nie Geldsorgen hatte – Hinweis auf Lohnarbeit. Als plausibler Arbeitgeber für einen Weltrevolutionär kommt einzig gegnerischer Geheimdienst in Frage.

Starikov bewertet Trotzkis Plan so: falls Russland tatsächlich permanent-revolutionär gegen andere Staaten vorgeht, gerät es international zum Paria-Staat, den alle anderen gemeinsam militärisch niedermachen. Allen voran der damalige Hegemon Großbritannien. Trotzki wirkte nach Plan der Briten. Seine Niederlage im Machtkampf wirft deren Zeitplan erneut zurück.

Deutschland

Der Raubfriede von Versailles verheert das Land. Das Volk verelendet. Die Selbstmordrate ist nennenswert. Diverse Aufstände und Revolutionen – organisiert von Secret Service, maßgeblich gestützt von USA und Frankreich – erschüttern das Land, ebenso eine zügellose Inflation 1922-23.

Die ursprüngliche DAP firmiert um in NSDAP. Die Finanzen reichen kaum für Leim zum Plakate kleben. Die Kleidung ist abgetragen. Wer ihnen über den Weg läuft schaut weg.

Ungeachtet der Wirtschaftslage hat die NSDAP im Jahr 1922 genug Geld, um für 1923 einen Parteitag auszurichten. Nach dem Parteitag erscheint der „Völkische Beobachter“ täglich statt wöchentlich.

Nach mehreren Treffen mit amerikanischen und britischen Generälen und Diplomaten erscheint mit Ernst Hanfstaengl ein deutschstämmiger Amerikaner, der über die folgenden Jahre Hitler nicht nur politisch pro-angelsächsisch indoktriniert, ihn nicht nur finanziell und organisatorisch unterstützt, sondern auch das Landei zu einem weltläufigen Gentleman aufstylt.

Trotz Hitlers Millionen verschlingender Werbefeldzüge erscheint parlamentarischer Sieg nicht wahrscheinlich. Also wird der Österreicher Adolf Hitler in einem unglaublichen Eilverfahren in Deutschland eingebürgert und 1933 ohne gesetzliche Grundlage zum Reichskanzler ernannt statt gewählt.

In den Folgejahren taumelt er diplomatisch von Erfolg zu Erfolg. Gegen die Eingliederung des Saarlands 1935 äußert Frankreich – das 1923 ins Ruhrgebiet einmarschierte – keinen Einwand. Im Münchner Abkommen 1938 geht – auf Kosten der Tschechoslowakei – das Sudetenland an Deutschland.

Warum „taumelt“: weil die Erfolge nicht der Puppe, sondern den Fädenziehern zuzurechnen sind. Nach Ausfall von Plan A (Lenin) und B (Trotzki) sieht Plan C nun vor, dass Hitler – eventuell zusammen mit Polen – Krieg gegen Russland führt. Dazu verschaffen sie ihm die Ressourcen.

Die Stimmungslage der Puppenspieler Frankreich, England, USA wendet sich gegen Hitler, als sie feststellen, dass er die Rest-Tschechei – die Ukrainischen Karpaten – eben genau nicht annektiert: die Rest-Landverbindung nach Russland. Augenscheinlich sind ihm die Augen aufgegangen.

Ab dem Moment wandelt sich Hitlers Image in der Welt vom Held zum Bösewicht.

Im weiteren Verlauf der Geschichte verspricht Großbritannien Polen militärische Unterstützung bei Angriff durch Deutschland – und ermuntert Polen, die Spannungen mit Deutschland zu forcieren.

Angesichts der Aussicht, dass Polen die Enklave Ostpreußen von Verkehrswegen abschneidet und aushungert – vergleiche Jahre später die Berlin-Blockade – greift Deutschland Polen an. Polen ist durchaus überrascht – von der ausbleibenden Unterstützung.

Ihnen war die Rolle des Köders zugewiesen.

Stattdessen kommt die Kriegserklärung Englands an Deutschland, verbunden mit gnadenlosem Flugblattabwurf. Dann passiert bis 1941 erst mal gar nichts. Als schließlich die Briten Deutsche Städte mit Bombenteppichen umdekorieren ist Polen bereits fermentiert.

Der weitere Verlauf des Kriegs ist bekannt. Am 10. Mai 1941 fliegt der Stellvertreter Hitlers, Rudolf Hess, solo mit einer Messerschmitt nach Großbritannien mit Vorschlag eines Friedens. Zweiundvierzig Tage später, am 22. Juni 1941, eröffnet Hitler mit Operation „Barbarossa“ eine zweite Front.

Der Krieg findet statt, Deutschland kapituliert bedingungslos, Nazis werden inhaftiert und wieder frei entlassen. Rudolf Hess bleibt in Haft.

Im Jahr 1987 – Gorbatschow hat signalisiert, der letzte Häftling der NS-Riege dürfe gern entlassen werden – findet man Hessʼ Leiche auf. Den behaupteten Selbstmord kann man glauben …

… oder sich für die andere Erklärung entscheiden: sein Tod wurde arrangiert, um zu verhindern, dass die Öffentlichkeit vom ausgehandelten Deal erfährt: Friedensvertrag, wenn der zugesagte Angriff auf Russland doch stattfindet.


Persönliche Stellungnahme – Starikovs Beweisführung gleiche ich ab mit der gegenwärtigen Politik des derzeitigen Hegemons USA, und – ja – des ehemaligen solchen Großbritannien, denn die Politik der USA ist angelsächsisch geprägt.

Ich sehe die offensichtlichen Stellvertreterkriege. Ich sehe offensichtlich getürkte Attentate.

Stimme ich Starikov zu? Meine Sache, aber ich rege an, dass der sehr geehrte Leser meinem Beispiel folgt und jeden unbeobachteten Moment ausnutzt, um selbständig nachzudenken.

Geht auch im Sitzen.