Enteignung, Nachtrag

Zum Thema Enteignung bin ich auf gleich zwei hochinteressante Kommentare gestoßen:

Randbemerkung: bei Informationsgewinnung kenne ich keine Kontaktschuld. Dass ich aus dem Linken Eck komme, sollte aus dem Kontext klar werden; dass mein Verständnis von „Links“ mit den Hirnzombies des gegenwärtigen Mainstream nichts zu tun hat, dito.

Zu den Autoren: Eisleben hatte ich bislang nicht auf dem Radar. Die Schreibe ist nüchtern und ordentlich. Bartels ist mir schon länger bekannt; ich rechne ihn zu den zwei Personen, die ich klüger als mich selbst einschätze (ein Urteil auf Zeit).

Habe die Ehre.


Nachtrag 13. Mai 2019

Bartelsʼ Artikel verweist auf den Ewigkeitscharakter des Privateigentums. Ein Ding, das nicht privat angeeignet ist, heißt Allmende. Betrachten wir diese genauer. Zunächst ein Eigenzitat:

Der Kapitalist setzt sein Kapital (= richtig viel Geld) ein, zahlt außer Produktionsmittel auch den Arbeitslohn (= reicht bis zum nächsten Arbeitstag) und besitzt nach Verkauf der produzierten Ware mehr als vorher (= richtig viel Geld plus Mehrwert). So weit, so bekannt.

Woher aber stammt das ursprünglich erste Kapital? Sicher nicht aus harter Arbeit; die Ware Arbeitskraft muss zu dem Zeitpunkt ja erst noch erfunden werden.

Sondern durch Raub der Allmende.

Im ursprünglich bäuerlichen Dorfleben gibt es den Gemeindeanger. Dort lässt das Bäuerlein seine Ziege grasen. (Brauchen wir uns nicht idyllisch vorzustellen. Das Leben ist hart.) Dieser Anger ist einverständliches Gemeingut. Statt Rechtstitel gilt alte Sitte.

Nun, dieser Anger ist eines Tages eingezäunt, und darauf grasen die Schafe des Herrn. Das Bäuerlein steht außen vor. Der Herr hat – quasi aus dem Nichts – eine handelbare Ware gewonnen.

So kommt es außerdem, dass das seiner Existenzgrundlage beraubte Bäuerlein wegelagert. Es muss zum Überleben verkaufen, was es hat. Nachdem die Ziege aufgegessen oder verkauft ist, bleibt als letzte Ware seine Arbeitskraft. Der Kreislauf G→W→G' ist eröffnet. Das Kapital kann seine Produktivkraft entfalten.

Vergessen wir für zehn Minuten unser spontanes Mitgefühl. Werfen wir einen Blick auf die Allmende, den Gemeindeanger. Er ist nicht produziert, sondern gewachsen. Vor Aneignung ist er „wild“, wird also genutzt, aber nicht gepflegt.

Nach Aneignung ist erste „Pflegemaßnahme“ die Einzäunung, sodann später Rodung von Unkraut. Quasi mit Autopilot ist menschliche Wertschöpfung eingeflossen, aus dem Anger wird eine Weide. Das einzig „wilde“ sind die Hektare Boden, auf denen das gebaut ist. Eine Rücküberführung in Allmende wäre eine Rücküberführung zum Anger.

In letzter Konsequenz ist ein Heim dasselbe: das Grundstück selbst ist zwar „gewachsen, nicht gebaut“, aber es ist erschlossen (Strom- und Wasserleitung), das Gebäude mit Mühe errichtet und mit Fleiß instand gehalten. Der Naturcharakter ist geschwunden. Das Heim hat „Wert“.

Eine Forderung nach Enteignung sollte die nichttriviale Konsequenz im Voraus bedenken. Um nicht ins frühere Idyll (samt Hunger) zurückzukehren wäre gesellschaftliche Umorganisation erforderlich.

Damit gebe ich zurück an Felix Bartels.

(Ursprung – Montag, den 13. Mai 2019, 07:05 Uhr)

<< Home | Sitemap | A-Z | Impressum | Suche >>