Unternehmensberatung

Kapitalismus zum Zweiten – Fortsetzung der kleinen Reihe „klassisch linker Ideen“.

Der Profit des Kapitals besteht in der Mehrarbeit – im Beispiel aus der letzten Folge betrug die tägliche Arbeit acht Stunden, von denen zwei den Eigenbedarf bedienen und sechs Stunden dem Kapital zugute kommen.

Wir stellten fest, dass darum drei mal mehr Waren in die Welt gesetzt werden als erforderlich; dass die Überfülle der Waren zwangsläufig auch auf den Wohlstand Arbeiterklasse durchschlägt.

Außer Betracht bleibt der Aspekt der Gerechtigkeit. Und das wird auch eine Weile so bleiben.

Betrachten wir die Perspektiven nach dem Arbeitstag: Der Arbeiter hat seinen redlich verdienten Lohn; die Welt hat eine größere Warenfülle als zuvor.

Geld

Nur das Kapital hat ein Problem. Mit dem Gebrauchswert der Waren kann es nichts anfangen, nur mit dem Verkaufswert. Sein Lebenszweck ist nur und ausschließlich der Mehrwert. Die Warenfülle ist ein (für die Welt erfreulicher) Nebeneffekt.

Prosperiert der Markt, ist alles in Butter. Das Kapital kennt einen Zustand nicht: Sattheit. Zufriedenheit mit dem Status.

Um den Markt aufnahmefähig zu halten, werden neue Bedürfnisse (zum Konsum) geweckt, um neuentwickelte Produkte auf den Tresen zu legen.

Sehr schön zu beobachten beim Funktelefon: Nutzwert war ursprünglich Erreichbarkeit auch in der Steppe; erster Zusatznutzen war textliches Telegramm (SMS) und Kamera, dann Apps für Wetterbericht und Reisenavigation. Die Rechenleistung eines preisgünstigen Smartphones entspricht heute einem aktuellen Bürorechner. In zwei Jahren nicht mehr.

Unternehmensberatung

Um den Preis konkurrenzfähig zu halten, achtet das Kapital auf die Kosten.

Der Part für Produktionsmittel (Fer­ti­gungs­stra­ßen, Mon­ta­ge­ro­bo­ter, etc.) wird definiert durch den Stand der Technik. Wir dürfen ihn als über die Welt fix ansehen. Über die Zeit freilich nicht fix wegen permanentem technischem Fortschritt. Der Lohnkostenanteil für die einzelne Ware wird im Prinzip mit Dreisatz ermittelt.

Der Part für die Infrastruktur (Sekretariat, Management, Marketing, Vertriebswege) ist freier gestaltbar.

An der Stelle kommt Unternehmensberatung ins Spiel. Diese analysieren die Infrastruktur und entwickeln Arbeitspläne mit dem einen und einzigen Ziel, die Kosten zur Produktion zu senken. Kein anderes Ziel. Insbesondere beachtet die Unternehmensberatung nicht die Qualität der Waren.

Kurze Abschweifung

Unserer Ex-Verteidigungsministerin, der vortrefflichen Ursula von der Leyen, scheint diese prinzipielle Funktion einer Unternehmensberatung unbekannt zu sein. Denn sie hat die Organisation der Bundeswehr eben genau einem solchen Berater überlassen: McKinsey. Manche sehen deswegen Deutschland als ein Eldorado für Unternehmensberater.

Ohne jeden moralischen Aspekt: das „Produkt“ Bundeswehr des „Unternehmens“ Bundesregierung hat ein Al­lein­stel­lungs­merk­mal. Fällt sie aus, haben wir ein Problem.

Genau das ist geschehen. Mehrere Flüge mit Re­gie­rungs­ma­schi­nen, deren Wartung die Bundeswehr übernimmt, fielen aus, so dass Frau Merkel in einem Fall peinlicherweise in der Touristenklasse weiter zu einem Staatstreffen fliegen musste. Egal, was wir von Merkel halten, sie reist im Auftrag, unser Volk zu vertreten.

McKinsey hat – seinem natürlichen Auftrag folgend – die Finanzen, sagen wir, saniert. Die Produktqualität ist außerhalb ihres Auftrags. Die Fehlleistung besteht in ihrer bloßen Beauftragung. Die vergeudeten Millionen sind noch der geringere Teil des Schadens.

Das eigentliche Versagen in der Geschichte geschah unter Federführung der damaligen Ministerin von der Leyen.

(Ursprung – Donnerstag, den 29. August 2019, 13:13 Uhr)

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