90 Sekunden

Felix von Leitner schreibt

Wenn ihr mal 90 Sekunden Zeit habt …

… mit Verweis auf ein Statement von Drosten, in dem er den Lockdown als einzige Alternative zu Triage beschreibt.

Triage

Drosten nimmt zum Vergleich ein Hospital in Amerika, dessen sämtliche Beatmungsgeräte bei alten Patienten in Gebrauch seien; in dem ein junger schwerkranker Beatmungspatient hinzu komme; und bei dem das Management nach landeseigen ethischem Kriterium „Zahl verlorener Lebensjahre“ einen Alten vom Gerät nähme, um den Jungen zu lebensrettend behandeln.

Drosten führt zutreffend aus, dass das mit europäischer Ethik nicht vereinbar ist. Siehe auch Urteil des BVerfG zu Luftsicherheitsgesetz. Dieses hatte ursprünglich erlaubt, ein von Terroristen gekapertes Flugzeug zum Schutz der gefährdeten Stadtbevölkerung abzuschießen. Dies hat das Verfassungsgericht kassiert wegen verfassungwidriger Triage.

Was Drosten meint

Drosten argumentiert nun so: ohne Lockdown stünden wir wegen überlasteten Gesundheitssystems vor der Triage.

Er sagt also, der Triage ist vorzubeugen, so weit ok, aber lässt zwischen den Zeilen verschwinden, dass außer Lockdown eine Alternative etwa darin besteht, das Gesundheitssystem zu verbessern. Ebenfalls eine Vorbeuge gegen Triage. Im Sommer hat die Regierung Gelegenheit ungenutzt verstreichen lassen.

Zum Teufel! Bei Notlagen – behauptet oder real – kehrt man auch aus dem Urlaub zurück und kümmert sich drum. Die Regierung hat auch so was wie einen Sachauftrag. Beim Niederschreiben kommt mir die Frage, verschweigt Drosten das mit Absicht?

Wenn Felix nun schreibt:

Ich finde das eine gute rote Linie,

beweist er nur, auch über rote Linien stolpern und hinschlagen zu können.

Freunde. Felix von Leitner hat oft genug auf seinen Erziehungsauftrag hingewiesen im Hinblick auf Medienkompetenz. Tut ihm nicht die Schande an, entgegen seinem Hinweis diesem seinem Artikel blindlings zu vertrauen. Den Respekt hat er verdient!

(Ursprung – Sonntag, den 01. November 2020, 13:20 Uhr)